Träume pur

Freitag, 21. April 2006

Traumtempel gesperrt

Der Mann am Hauptrechner hat den Zugriff auf den Yahoo-Traumtempel erschwert, phasenweise sogar verhindert. Ich versuche es noch auf anderen Seitenwegen, aber es ist nicht möglich. Bald wird mir mitgeteilt, dass es auch in Worpswede einen Traumtempel gibt. Dazu sehe ich ein quadratisches Icon in Brauntönen, das die Ladnerin in ihrem „Traumtempel“ zeigt. Dann erscheint das Symbol für meinen Traumtempel: ein typisch griechischer Tempel; oben - zwischen zwei Säulen – befinden sich jeweils eine Hand und ein Fuß.
06-03-18

Flammenrote Totenfasern

Quadratischer Raum der Zurückgezogenheit. In der Mitte eine schmale weibliche Gestalt in hellem Leinenhemd, barfuß und mit nacktem Gesicht – in meditativem Tanz versunken. Über ihren Rücken fällt ein Umhang aus stabil gewirkter Seide – mit mattem Schimmern changiert er zwischen flammenrot und warmorange. Dieser Umhang wurde aus den Fasern all der toten Knochenmänner gewebt. Vage spüre ich den Schulterschmerz der letzten Tage durchdringen.

06-03-20

Sonntag, 16. April 2006

Tibetisches Détroisment

„Lassen wir das Tibetische Détroisment doch mal sein“, fordert mich die Frau gutmütig auf. Mir gefällt ihre unkomplizierte Art.

Die Luft ist mild. Ein später, unerwartet warmer Sommerabend.Das Meer steht in vielen flachen Seen – spätes Licht verströmt sich golden.

Strand. Ein weites Dreieck tief ins dunkle Erdreich gegraben. Feuchte Holzstege überbrücken Abgründe, gewähren Einblick, schlagen neue Wege zum Meer vor.

Die Zeit vergeht, gedankenverloren und innehaltend. Abendröte und Dämmerung tauchen in orange schimmernde Bronze. Die Seen mit Tee gefüllt, milde besänftigt von milchweißen Wolken.

Das Wasser steigt beständig. Einfach losgehen, immer weiter ins Meer gehen. Das Wasser umspült bald jeden Schritt, steigt an… bis es sich erfüllt.

Gezeiten. Abwarten - den Weg fortsetzen.

Freitag, 14. April 2006

Am Webstuhl neuen Lebens

Gedämpftes Licht erfüllt den Raum
die Gebärende liegt auf der Diele
weich und warm - pulsierende Haut
die Geburt steht kurz bevor... Vertrauen

Der große Webrahmen steht bereit
mit rotem Faden bespannt
Webwichtel zappeln ungeduldig
freuen sich auf den Neubeginn

Da löst sich ein Teil der Fäden
unangenehm weich und entspannt
lose und haltlos geworden
fallen sie fast in Verwirrung

Sorgsam lege ich sie zurück
stelle die Spannung wieder her
die Wichtel werden weben
sobald das Kind geboren ist.

Dienstag, 11. April 2006

Lebensbaum

Große unverhüllte Fenster im Regenbogen.
Der Herbst erzählt, was das Orakel sagte:
„Ich werde dieses Jahr heiraten!“
Ein schelmisches Grinsen:
„Ich werde dieses Jahr nicht heiraten.“

Der Herbst ist eine alte Kräuterhexe
– die Nase spitz und leicht gekrümmt.
Sie beugt sich mit listigem Blick
– schaut mir forschend in die Augen.

Interessiert hört sie mir zu,
beißt aufgeregt in einen harten Apfelschnitz.
„Ich bin schon verheiratet!“

In der Mitte ein Lebensbaum.
An seinem Stamm Kalenderblätter.
Die geöffnete Kastanienschale enthüllt Walnusskerne.
Eines der Bilder des vergangenen Jahres.
Trifft dies den Geschmack der Kräuterhexe?

Üppig wogt das Getreidefeld – kurz vor der Ernte, reife Ähren.
Sonnenlicht scheint, wie durch dunklen Wolkenfilter.
Das alte Gebäude mittendrin mit dunkelrotem Schieferdach.
Ein gebündelter Lichtstrahl zentriert
- durchdringt jegliche Distanz und Muster.

Am Rande erwähnt: Erdtrichter

Sonntag, 9. April 2006

Sonnentanz

Wir gehen hinaus in den Sommer
Die Sonne neigt sich dem Untergang
Schatten zerbrechen an windenden Hecken.

Das letzte Hemd umspielt die Knie,
Geblichen vom Licht - mürbe
Die Welt ist voller Freude.

Sonnenlicht durchdringt den Leib
Entkleidet bis auf das Gebein
Das Gerippe klappert - ich tanze.

Freitag, 7. April 2006

Das alte Buch

Nach langer Zeit
Die Vergangenheit erreicht das Heute
Die Tote liest in einem uralten Buch

Paula schrieb es
Das Buch aufgeschlagen
- im Raum der Verstrickungen

Wie ein großes Kirchenbuch
Einband aus Pappe – häufig ergriffen und weich
Handgeschöpftes Papier – faserig, grau und kräftig

Auf jeder Seite neun Quadrate – kupfern gesäumt
Silbermonde an jedem Schnittpunkt
Gefüllt mit Zeichen und Symbolen

Tag für Tag webte sie ihr Leben in das Buch
schuf orientalische Ornamente
aus türkisfarbener Tinte

Am Ende des Buches
silberne Tütchen gefüllt mit Pigment:
Heuerntenrot, Herbstrot, Kardinalrot, Violettrot

Fächerartig in den Buchdeckel geheftet:
ausgedörrte Wurstscheiben
– Mumien aus der Speisekammer

Am fernen Horizont die Sonne
der Himmel färbt sich orangerot
1850 – die Zeit des Sonnenuntergangs…

Mittwoch, 5. April 2006

Luna Quadrophonia

Morgenhimmel
Schweigend der Mann am Fenster
Der Vollmond zieht seine Bahn

Leises Ruckeln der Himmelsmechanik
Der Mond sät drei Spuren
Haltlos tänzelnd die Erde

Der Atem stockt und Furcht greift ein
Schlingern in der Umlaufbahn
Wir treiben aus dem System

Die Welt erbebt
Freude umarmt Traurigkeit
Haltlosigkeit wird zur Befreiung.

Luna quadro

...
zu La Loona

Montag, 3. April 2006

Apfelblüten

Weite Wiesen, milder Sommer
Sanftrosa fließt in Kreideweiß
Der Himmel strahlendblau

Die Zeit überholt sich
vom Sommer in den Herbst
Blätter – grün und golden

Ich bin ein Nichts im Krug
Hohe Gräser singen wiegend
Liebe bewahrt vor dem Zerbrechen

Jahre… Menschenleben…
Wehmut - alles vergeht
und Neues entsteht

Orangerotes Land voller Wärme
entsteht nach meiner Zeit
- der Schmerz ist süß.

Samstag, 1. April 2006

Im Rübezahl-Wald

Neben dem Backsteingebäude ein Behälter mit Zwiebeln. Die braunen Häutchen sind schnell entfernt. Es ist gut, den Weg ohne unnötige Last zu gehen.

Warnung: gebt Acht - Stürme und Gewitter fegen über Land!
Das Unwetter – ein altes Hutzelmännlein mit langem Bart, Filzhut und abgetragenen Anzug – tobt heran, erfasst uns.

Uralte Bäume rauschen und raunen mit wispernden Stimmen. Die Stämme tief gefurcht. Die Baumkronen schütteln ihr aufgewühltes dunkelgrünes Laub an knorrigen alten Ästen. Der brausende Wind wirbelt Abgestorbenes auf. Violettblaue Wolken hängen schwer und tief – drücken nieder.

Mitten im finsteren Wald: eine russische Basilika – uralt und schnörkellos. Gekalkte Wände, ein altes Spitzbogenfenster – gelbbuntes Glas in grobem Mosaik. Unsere Körper wirbeln wie Laub durch die heilige Stätte.

So flieht, so flieht doch!!! Verlasst diesen Ort vor seinem Untergang!!!

Mein Blick geht zum Fenster, dem einzigen Ausweg.
Nur: ich möchte nichts zerstören!

Die mächtigen Bäume biegen sich ächzend im Sturm:
„Hinaaaaus…! Hinaaaaus…!“

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