Lichtermeer für Tyrannosaurus
Der Dinosaurier ist ausgebrochen!
Ich schaue aus dem Fenster auf den öffentlichen Platz einer mittelgroßen Stadt. Dort sehe ich zwei Ur-Elefanten an einem Brunnen - ihre Rüssel erfüllen hier eine unterstützende Funktion. Sie haben dunkelgraue Haut, sind sehr groß und habe lange, nach unten gerichteten Stoßzähne.
Es erschüttert mich, was der Ausbruch des Dinosauriers - ein Tyrannosaurus - im Brunnen ausgelöst hat. Glücklicherweise haben die Ur-Elefanten innerhalb von Sekundenbruchteilen geschaltet und ihre Arbeit aufgenommen, was mich auch wieder beruhigt. Offenbar hat das reibungslose Funktionieren der Elefanten eine Katastrophe verhindert.
Es ist so:
Bis vor wenigen Minuten spieen die beiden Ur-Elefanten klares Wasser durch ihre Rüssel und es sollte die Vorübergehenden einfach nur erfreuen. Nachdem der Tyrannosaurus ausgerissen war, wurde der Bereich unter diesem Platz schlagartig mit einer gewaltigen Menge schwarzen Wassers geflutet. Im Grunde hätte das eine große Katastrophe für die Stadt bedeutet, weil dadurch das ganze unterirdische Kanalsystem verunreinigt worden wäre. Die Ur-Elefanten schalteten schnell und wechselten vom beschaulichen Wasserspeien zu reinigendem Pumpen, so dass alles umgehend wieder unter Kontrolle ist. Ihre nun riesigen Schläuche pumpen mit erstaunlicher Kraft große Mengen des schwarzen Wassers an die Oberfläche. Ich sehe, wie das schwarze Wasser in rhythmischen Schüben nach oben gebracht wird. Und ich spüre auch, dass sich noch große Mengen dieses schwarzen Wassers unter diesem Platz befinden. Die Elefanten werden sicherlich noch eine Zeit lang pumpen müssen, ehe das Wasser wieder klar und gemächlich dahinfließen kann.
Weiter draußen in der Stadt:
inzwischen wird der Tyrannosaurus wieder bei den beiden Ur-Elefanten verwahrt Allerdings besteht weiterhin Gefahr, dass der energiegeladene Tyrannosaurus nochmals ausbüchst. Ich sehe vor meinem inneren Auge, wie er seinen mächtigen Schwanz mehrmals und kraftvoll auf den Boden schlägt, so dass der Untergrund bebt. Einerseits durchfährt mich dieses Beben auf angenehme Weise, weil ich die Kraft des Tyrannosaurus als erstaunlich und faszinierend empfinde. Andererseits sehe ich auch eine gewisse Gefahr darin, denn wenn der so richtig losstampft, dann könnten unter Umständen doch jemand zu Schaden kommen.
Es wurde bereits eine große Hilfsaktion gestartet. Innerhalb der Stadt und auch ringsum haben sich alle Menschen auf den Weg zur Stadtmitte - dorthin, wo die beiden Ur-Elefanten und der Tyranno-saurus zu finden sind - gemacht. Die Stadt liegt in einer flachen Mulde; die Stadtmitte am tiefsten Punkt.
Vom Rande der Stadt sehe ich die Menschen sternenförmig herbeikommen. Ein bewegendes Bild bietet sich: Alle tragen ein Licht in der Hand und versammeln sich nun rund um die drei Urtiere. Wegen der vielen Lichter ist es dem Tyrannosaurus einfach nicht möglich, auszubrechen oder wild um sich zu schlagen.
Einen Augenblick stehe ich zwischen all diesen Menschen und sehe ihre nach oben geöffneten Hände, auf denen ein rundliches, gläsernes Windlicht steht. Sanft schimmert der Schein all der Teelichter und vereint diese kommenden Menschen wie zu einem Lichtermeer.
Es hat etwas sehr Feierliches.
Dann stehe ich wieder an einem höheren Punkt und sehe voller Ergriffenheit, dass Hunderte von Menschen herbeikommen - alle tragen ein Licht in den Händen. Ein solch umfassendes Gemeinschaftsgefühl bei all diesen Menschen wahrzunehmen, bewegt und berührt mich.
An einer kleinen Nebenstraße findet eine kleine Veranstaltung statt. Einige Menschen sind hier, die aufgrund dieser Veranstaltung noch nichts von der Sauriersache bemerkt haben. Ein Mann - ein reisender Künstler - in abgetragenem Anzug und mit staubigem Hut sitzt unter einem dunkelfarbenem Vorzelt. Er sammelt Geld um die weitere Hilfsaktion sicherzustellen. Die vorübergehenden Menschen, die auf dieser Weise von dem aktuellen Ereignis erfahren, werfen kleine Münzen in den Hut - ein Teil der Münzen landet auch daneben. Es wird großzügig gegeben. Der Künstler war ehemals blind. Und entgegen seinem bisherigen Wünschen und Wollen hat er sich nun Augen einsetzen lassen, damit auch er helfen kann. Seine Opferbereitschaft - denn zu einem Sehenden zu werden bedeutet eben auch, sich zu opfern - berührt mich sehr. Ich bin erstaunt, wie demütig und hingabevoll alle bereit sind, etwas zu tun.
Der Horizont nimmt langsam eine tiefgoldene Färbung an - die Abenddämmerung senkt sich über die Stadt. Und auch wenn es nun dunkel wird, so bleibt es in dieser Stadt feierlich hell. Sie ist voller Menschen, die ein Licht in ihren Händen tragen. Solange, bis der Tyrannosaurus von Ruhe und Gelassenheit erfüllt ist, und die Kanalisation vom dunklen Wasser befreit wurde.
16. November 2003
Ich schaue aus dem Fenster auf den öffentlichen Platz einer mittelgroßen Stadt. Dort sehe ich zwei Ur-Elefanten an einem Brunnen - ihre Rüssel erfüllen hier eine unterstützende Funktion. Sie haben dunkelgraue Haut, sind sehr groß und habe lange, nach unten gerichteten Stoßzähne.
Es erschüttert mich, was der Ausbruch des Dinosauriers - ein Tyrannosaurus - im Brunnen ausgelöst hat. Glücklicherweise haben die Ur-Elefanten innerhalb von Sekundenbruchteilen geschaltet und ihre Arbeit aufgenommen, was mich auch wieder beruhigt. Offenbar hat das reibungslose Funktionieren der Elefanten eine Katastrophe verhindert.
Es ist so:
Bis vor wenigen Minuten spieen die beiden Ur-Elefanten klares Wasser durch ihre Rüssel und es sollte die Vorübergehenden einfach nur erfreuen. Nachdem der Tyrannosaurus ausgerissen war, wurde der Bereich unter diesem Platz schlagartig mit einer gewaltigen Menge schwarzen Wassers geflutet. Im Grunde hätte das eine große Katastrophe für die Stadt bedeutet, weil dadurch das ganze unterirdische Kanalsystem verunreinigt worden wäre. Die Ur-Elefanten schalteten schnell und wechselten vom beschaulichen Wasserspeien zu reinigendem Pumpen, so dass alles umgehend wieder unter Kontrolle ist. Ihre nun riesigen Schläuche pumpen mit erstaunlicher Kraft große Mengen des schwarzen Wassers an die Oberfläche. Ich sehe, wie das schwarze Wasser in rhythmischen Schüben nach oben gebracht wird. Und ich spüre auch, dass sich noch große Mengen dieses schwarzen Wassers unter diesem Platz befinden. Die Elefanten werden sicherlich noch eine Zeit lang pumpen müssen, ehe das Wasser wieder klar und gemächlich dahinfließen kann.
Weiter draußen in der Stadt:
inzwischen wird der Tyrannosaurus wieder bei den beiden Ur-Elefanten verwahrt Allerdings besteht weiterhin Gefahr, dass der energiegeladene Tyrannosaurus nochmals ausbüchst. Ich sehe vor meinem inneren Auge, wie er seinen mächtigen Schwanz mehrmals und kraftvoll auf den Boden schlägt, so dass der Untergrund bebt. Einerseits durchfährt mich dieses Beben auf angenehme Weise, weil ich die Kraft des Tyrannosaurus als erstaunlich und faszinierend empfinde. Andererseits sehe ich auch eine gewisse Gefahr darin, denn wenn der so richtig losstampft, dann könnten unter Umständen doch jemand zu Schaden kommen.
Es wurde bereits eine große Hilfsaktion gestartet. Innerhalb der Stadt und auch ringsum haben sich alle Menschen auf den Weg zur Stadtmitte - dorthin, wo die beiden Ur-Elefanten und der Tyranno-saurus zu finden sind - gemacht. Die Stadt liegt in einer flachen Mulde; die Stadtmitte am tiefsten Punkt.
Vom Rande der Stadt sehe ich die Menschen sternenförmig herbeikommen. Ein bewegendes Bild bietet sich: Alle tragen ein Licht in der Hand und versammeln sich nun rund um die drei Urtiere. Wegen der vielen Lichter ist es dem Tyrannosaurus einfach nicht möglich, auszubrechen oder wild um sich zu schlagen.
Einen Augenblick stehe ich zwischen all diesen Menschen und sehe ihre nach oben geöffneten Hände, auf denen ein rundliches, gläsernes Windlicht steht. Sanft schimmert der Schein all der Teelichter und vereint diese kommenden Menschen wie zu einem Lichtermeer.
Es hat etwas sehr Feierliches.
Dann stehe ich wieder an einem höheren Punkt und sehe voller Ergriffenheit, dass Hunderte von Menschen herbeikommen - alle tragen ein Licht in den Händen. Ein solch umfassendes Gemeinschaftsgefühl bei all diesen Menschen wahrzunehmen, bewegt und berührt mich.
An einer kleinen Nebenstraße findet eine kleine Veranstaltung statt. Einige Menschen sind hier, die aufgrund dieser Veranstaltung noch nichts von der Sauriersache bemerkt haben. Ein Mann - ein reisender Künstler - in abgetragenem Anzug und mit staubigem Hut sitzt unter einem dunkelfarbenem Vorzelt. Er sammelt Geld um die weitere Hilfsaktion sicherzustellen. Die vorübergehenden Menschen, die auf dieser Weise von dem aktuellen Ereignis erfahren, werfen kleine Münzen in den Hut - ein Teil der Münzen landet auch daneben. Es wird großzügig gegeben. Der Künstler war ehemals blind. Und entgegen seinem bisherigen Wünschen und Wollen hat er sich nun Augen einsetzen lassen, damit auch er helfen kann. Seine Opferbereitschaft - denn zu einem Sehenden zu werden bedeutet eben auch, sich zu opfern - berührt mich sehr. Ich bin erstaunt, wie demütig und hingabevoll alle bereit sind, etwas zu tun.
Der Horizont nimmt langsam eine tiefgoldene Färbung an - die Abenddämmerung senkt sich über die Stadt. Und auch wenn es nun dunkel wird, so bleibt es in dieser Stadt feierlich hell. Sie ist voller Menschen, die ein Licht in ihren Händen tragen. Solange, bis der Tyrannosaurus von Ruhe und Gelassenheit erfüllt ist, und die Kanalisation vom dunklen Wasser befreit wurde.
16. November 2003
created by Marianne Masters Rubrik: Traumgeschichten Datum: 17. April, 23:11 Uhr
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